Zwei Frauen, eine Linie
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Auszug
Caroline Rudolphi und Allwina Frommann wagten um 1800 den Weg in die SelbstÀndigkeit. Zwei Biografien
In den frĂŒhen Statuten der bĂŒrgerlichen Gesellschaft waren ledige Frauen nicht vorgesehen. Töchter, die nicht heiraten konnten oder wollten, waren lebenslang auf die FĂŒhrsorge ihrer mĂ€nnlichen Verwandten angewiesen. Fiel diese UnterstĂŒtzung weg, war der soziale Abstieg nur dadurch aufzuhalten, dass sich die Alleinstehende eine Stelle suchte.
Im Prinzip lieĂ die bĂŒrgerliche Ehrbarkeit nur drei Berufe zu: Hausdame, Erzieherin oder Gesellschafterin - alles schlecht bezahlte und abhĂ€ngige Posten mit geringen Aussichten auf Alterssicherheit. Dass auch aus dieser tristen Lage Erfolgsgeschichten werden können, zeigen die Biografien von Caroline Rudolphi (1753-1811) und Allwina Frommann (1800-1875).
(...)
Die Jenaer Verlegertochter Allwina Frommann war fast genau in der Mitte ihres Lebens, als sie nach dem Tod des Vaters Kost und Logis im Haus ihres Bruders ablehnte, da sie "gar nicht passe, als helfende Tante". Die 38-JĂ€hrige will auf eigenen FĂŒĂen stehen, ihre Talente in der Malerei entfalten. Sie geht nach Berlin, zunĂ€chst als Hausdame bei einem preuĂischen Minister.
Als dieser stirbt, hat sie Zeit fĂŒr eine gestalterische Idee. Sie entwirft eine Folge von BlĂ€ttern, in deren Mitte sie Zeilen von Horaz, Goethe und aus dem Koran setzen lĂ€sst, die sie kunstreich mit Arabesken aus BlĂŒten, Vögeln und Insekten umrahmt. Zur Werbung lĂ€sst sie die BlĂ€tter in der Berliner Gesellschaft kursieren. Als die preuĂische Königin Elisabeth von ihrem Talent erfĂ€hrt, bestellt sie ein Album. Im November 1843 folgt die Ăberraschung. Nicht nur, dass ihr dieser Auftrag ein Jahreseinkommen einbringt, sie wird auch als "Blumen- und Arabeskenmalerin" in die Königliche Akademie aufgenommen. Materielle Sicherheit bedeutet dies nicht, aber weitere Honorare. Ungeachtet finanzieller EngpĂ€sse strebt sie keine feste Stellung an, da sie sich nicht an die ZwĂ€nge der Hofes binden lassen will.
EigenstĂ€ndig war die Malerin auch in ihrem politischen Denken. Trotz ihres vertraulichen Umgangs mit der spĂ€teren ersten deutschen Kaiserin bildete sie sich eine eigene Meinung zu den historischen VorgĂ€ngen um VormĂ€rz und ReichsgrĂŒndung. Sie besuchte im August 1849 sogar eine Sitzung der preuĂischen Ersten Kammer, um die Minister und das "offene Verfahren der Regierung" kennenzulernen. MĂ€nnern wie ihrem Bruder oder seinem Freund StĂŒve, einem frĂŒheren Verehrer, beide selbst ins Zeitgeschehen verwickelt, kann sie damit nicht imponieren. "Das ist denn doch etwas stark fĂŒr unser einen", schreibt StĂŒve. FĂŒr ihn sind ihre "schwarz-rot-goldenen" Gedanken nur "Phantasiepolitik".
Die beiden Frauen haben sich nicht gekannt, sie trennen zwie Generationen. Doch viel mehr verbindet sie. Mit Talent, FleiĂ und Bescheidenheit, aber auch Eigensinn haben sie ihr Leben in die Hand genommen. Weibliche Lebenswege haben in der biografischen Rekonstruktion einen besonderen Wert. Sie erzĂ€hlen ĂŒber die WertschĂ€tzung einer Lebensleistung hinaus beispielhaft von den individuellen Möglichkeiten jenseits des eindimensionalen Frauenbilds der konventionellen Geschichtswerke. Diese Art von Geschichte(n) erzĂ€hlt nicht von Eliten, sondern von Menschen. Das macht sie sympathisch.
Anett Kollmann
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Das Buch finden Sie hier.
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News
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51 EhrenbĂŒrger in 50 Minuten! Gitta GĂŒnther stellt im Stadtarchiv ihr Buch âEhrenbĂŒrger der Stadt Weimarâ vor
Nach der WĂŒrdigung unserer Autorin Gitta GĂŒnther fĂŒr ihre Arbeit als Leiterin des Stadtarchivs und ihre beeindruckende Recherche fĂŒr ihr Buch âEhrenbĂŒrger der Stadt Weimarâ durch den OberbĂŒrgermeister Stefan Wolf und den gegenwĂ€rtigen Leiter des Stadtarchivs Dr. Jens Riederer, war die Zeit fĂŒr die BuchprĂ€sentation knapp.
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Auftaktveranstaltung zur GesprĂ€chsreihe âGeschichte Gestaltenâ mit Lesung und GesprĂ€ch ĂŒber âVon Buchenwald(,) nach Europaâ
Zusammen mit Dr. Axel DoĂmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Institut der Friedrich-Schiller-UniversitĂ€t Jena und Initiator der GesprĂ€chsreihe âGeschichte Gestaltenâ, bestritt Ronald Hirte, Autor des Buches âVon Buchenwald(,) nach Europaâ, die Auftaktveranstaltung der GesprĂ€chsreihe. Die Lesung und das GesprĂ€ch ĂŒber das Buch âVon Buchenwald(,) nach Europa. GesprĂ€che ĂŒber Europa mit ehemaligen Buchenwald-HĂ€ftlingen in Parisâ lockte zahlreiche GĂ€ste in die Thalia Buchhandlung in Jena, darunter viele Studierende des Historischen Instituts.
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GesprĂ€ch und Lesung ĂŒber "Von Buchenwald(,) nach Europa"
Am 26. April um 20 Uhr lesen und diskutieren in der Thalia Buchhandlung Jena die Autoren von "Von Buchenwald(,) nach Europa" ĂŒber europĂ€ische Erfahrungen, HerkĂŒnfte und Visionen.
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